Konzeption diakonischer Sozialarbeit in den Diakonischen Werken

23. Juli 2018
  • Diakonie & Kirche

1. Grundlagen diakonischer Sozialarbeit

Die Diakonischen Werke führen im Auftrag der Evangelischen Landeskirche Baden, basierend auf der Grundordnung und dem Diakoniegesetz, professionelle soziale Arbeit aus. Dieser kirchliche Auftrag prägt die Ausgestaltung der Tätigkeiten und Handlungsfelder der Diakonie und ihrer diakonischen sozialen Arbeit in besonderer Weise.

2. Selbstverständnis und Auftrag diakonischer Sozialarbeit

Leitgedanke diakonischer Sozialarbeit ist das Gebot der Nächstenliebe. Sie steht daher auf der Seite der Menschen. Diakonische Sozialarbeit übt Solidarität mit sozial Ausgegrenzten und sieht sich der Option für die Armen verpflichtet. Sie macht Lobbyarbeit für arme und anderweitig ausgegrenzte Menschen. Sie steht in menschlichem Scheitern bei und unterstützt bei einem gelingenden Leben. Die diakonische Sozialarbeit sieht den Menschen in seinen vielfältigen Facetten, mit Bedürfnissen und Ressourcen. Sie fördert Inklusion, indem sie Teilhabe ermöglicht.

Grundlage jeglicher Begegnung im Bereich diakonischen Handelns ist es, die Menschen in ihrer Würde anzuerkennen und wertzuschätzen. Ziel ist es, ihre Einzigartigkeit akzeptierend anzunehmen und zu würdigen, Selbsthilfekräfte zu stärken und Handlungskompetenz zu fördern. Der Mensch in seinen sozialen Bezügen und seinem Umfeld steht mit seinen Fragen und Nöten im Mittelpunkt. Diakonische Sozialarbeit geschieht in sozialräumlichem und politischem Kontext. Sie geht sowohl auf individuelle Notlagen wie auch auf gesellschaftliche Missstände ein und richtet ihre Arbeitsweisen und ihre Schwerpunkte flexibel darauf aus. Sie initiiert bzw. unterstützt Netzwerke und arbeitet mit anderen Fachdiensten und Einrichtungen innerhalb und außerhalb der Diakonie zusammen.


Hilfe in bestehenden unmittelbaren Notlagen gehört ebenso dazu wie das Ergreifen präventiver Maßnahmen im Sozialraum. Diakonische Sozialarbeit entwickelt neue Angebote aufgrund sich verändernder Bedürfnisse, Lebenslagen und sozialpolitischen Bedingungen. Daher zeigt sich eine große Bandbreite an Handlungsfeldern in den Diakonischen Werken der Landeskirche.

3. Beziehung diakonischer Sozialarbeit zu Kirchen- und Pfarrgemeinden

Kirche engagiert sich für alle Menschen. Ihr diakonisches Handeln hat seinen Ursprung im Gemeindeleben. Die Sozialarbeit der Diakonischen Werke ergänzt das diakonische Handeln der Gemeinden. Die Beziehung zwischen Gemeinden und diakonischer Sozialarbeit wird sichtbar durch:

3.1 Zusammenarbeit

Die diakonische Sozialarbeit ist eingebunden in die Arbeit der Kirchengemeinde und des Kirchenbezirks. Sie nutzt Chancen und sucht nach Möglichkeiten, um mit anderen kirchlichen Arbeitsfeldern und diakonischen Einrichtungen zusammenzuwirken.

3.2 Fachliche Begleitung und Unterstützung der Kirchengemeinden

Die diakonische Sozialarbeit sensibilisiert Gemeinden für die Wahrnehmung sozialer Not. Sie bietet den Gemeinden und ihren haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden Fachberatung, Begleitung und Fortbildung an. Sie unterstützt mit ihrer Fachlichkeit und Kompetenz bei individuellen und sozialen Problemen, deren Bewältigung die Möglichkeiten der Kirchengemeinde überfordern.

3.3 Diakonie ist gelebte Kirche

Diakonische Sozialarbeit bietet einen Zugang für alle Menschen mit ihren Nöten und Fragen. Hier öffnet sich Kirche für alle Menschen, auch für diejenigen, die keinen Zugang zu Kirchen haben. In der diakonischen Sozialarbeit wird das Engagement von Kirche für Menschen in Not erfahrbar.

4. Mitarbeitende in der Diakonischen Sozialarbeit

4.1 Kirchlicher Auftrag

Das Gesicht der Diakonie sind die Menschen, die für sie arbeiten. Diakonische Sozialarbeit wird durch die Mitarbeitenden mit Leben gefüllt und wird in ihrem konkreten Handeln sichtbar. Die Mitarbeitenden sind in ihrem Denken und Handeln offen gegenüber allen Menschen. Die Diakonische Sozialarbeit setzt bei den Mitarbeitenden eine Orientierung am christlichen Auftrag sowie die Bereitschaft und Kompetenz zur Zusammenarbeit mit Pfarr- und Kirchengemeinden voraus.

4.2 Sozialpolitisches Mandat

Das sozialpolitische Mandat in Kirche und Gesellschaft und die am Gemeinwe-sen orientierte Ausrichtung ist Auftrag und Aufgabenstellung für alle Mitarbei-tenden der Diakonischen Werke. Sie beteiligen sich aktiv an der Gestaltung des Sozialen. Damit machen sie den sozialpolitischen, öffentlichkeitswirksamen Auftrag der Diakonie sichtbar. Die Mitarbeitenden haben die Fähigkeit, mit anderen Akteuren konstruktiv zusammenzuarbeiten.

4.3 Qualifikation und Professionalität

Die Mitarbeitenden verfügen über spezifisches Fachwissen und Methoden der Sozialarbeit, die in den verschiedenen Handlungsfeldern nötig sind. Diakonische Sozialarbeit erfordert Professionalität, die durch geeignete Studien- und Ausbildungsgänge (in der Regel Soziale Arbeit) sichergestellt ist.
Fort- und Weiterbildung sowie Supervision sind notwendige, unerlässliche Bestandteile der Fachlichkeit. Sie dienen der Qualitätssicherung und der Weiterentwicklung der Kompetenzen.

5. Kirchliche Allgemeine Soziale Arbeit als spezifischer Dienst der Diakonischen Werke

Die Kirchliche Allgemeine Soziale Arbeit (KASA) stellt innerhalb der diakoni- schen Sozialarbeit ein spezifisches Arbeitsfeld dar. Sie zählt zu den originären Aufgaben der Diakonischen Werke in den Kirchenbezirken. Als Dienst mit eigenen Aufgaben hat sie innerhalb der diakonischen Sozialarbeit einen eigen-ständigen und grundlegenden Stellenwert.

KASA macht niederschwellig Angebote für alle Menschen, die Unterstützung und Hilfe anfragen. Sie ist mit den Sorgen und Nöten der Menschen vertraut und bietet denjenigen, die Hilfe benötigen, Unterstützung auf Augenhöhe. Die Mitarbeitenden der KASA sind Ansprechpartner*innen für die Menschen des Bezirks. Mit der Kirchlichen Allgemeinen Sozialen Arbeit bieten Diakonische Werke einen Fachdienst, der offen ist für alle Anliegen und Problemstellungen. Die KASA wendet sich im Besonderen an Menschen, die von Armut in ihrer vielfältigen Form betroffen oder bedroht sind. Sie bietet auch präventive Hilfen und Unterstützung an.

Kirchliche Allgemeine Soziale Arbeit zeichnet sich durch besondere Schwerpunkte aus:

  • „Information, Beratung, Unterstützung und (längerfristige) Begleitung von Personen in schwierigen Lebenslagen
  • „Ermittlung persönlicher Problem- und Bedarfslagen (Anamnese)
  • Sozialrechtliche Beratung und Existenzsicherung, Hilfe bei der Durchsetzung von Ansprüchen
  • „Vermittlung an andere Fachdienste und weiterführende Hilfen
  • Sozialpädagogische Gruppenarbeit

In der beratenden Begegnung wird der Mensch in seiner Ganzheitlichkeit in Blick genommen. Die gesamte Lebenssituation findet dabei Berücksichtigung. Dazu gehören die individuellen Ressourcen und Resilienzen, soziale Prägungen sowie gesellschaftliche Gegebenheiten, in denen er sich bewegt.
Die Kirchliche Allgemeine Soziale Arbeit öffnet Räume, die es Ratsuchenden ermöglicht, Fragen, Unsicherheiten oder auch Widersprüche bei der Lebensge-staltung zu klären. Sie knüpft an den Kompetenzen der Ratsuchenden an und befähigt sie, sich für Veränderungen ihrer Lebenssituationen selbst einzusetzen. Sie sorgt für Rückhalt, stellt Informationen bereit und leistet konkrete Hilfestel-lung. Die Beratenden verfügen über Methoden und Fähigkeiten, vertrauensvolle Kontakte herzustellen und die Handlungsfähigkeit Ratsuchender zu stärken.

Beschlossen von den Geschäftsführenden der Diakonischen Werke am 24.03.2017 mit zustimmender Kenntnis des Vorstands des Diakonischen Werkes Baden am 28.8.2017.