Obdachlos? Erfrierungsgefahr!

2. November 2020
  • Rehabilitation
  • Wohnungslosenhilfe

Menschen ohne Wohnung sind in der kalten Jahreszeit in großer Gefahr. Jede Nacht im Freien kann tödlich sein: Obdachlose sind der Kälte im Winter schutzlos ausgeliefert. Bei klirrendem Frost kann es trotz Decken, Pullovern und einem Zelt oder Schlafsack zum Kältetod kommen. Im vergangenen Winter sind mindestens 16 wohnungslose Menschen in Folge von Unterkühlung verstorben – so viele wie seit Ende der 1990er Jahre nicht mehr. Diese Zahl darf sich auf keinen Fall erhöhen! 

Wie helfe ich Obdachlosen?

Wohnungsloser Mann schläft auf Parkbank
© Fotolia/Srdjan

Wohnungsloser Mann schläft auf Parkbank

Es ist unklar, wie viele Menschen in Deutschland obdachlos sind. Es gibt keine genauen Statistiken. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe schätzt, dass mehr als 40.000 Menschen ohne Wohnung oder feste Unterkunft auf der Straße leben.

Unterstützung in jeglicher Form ist gefragt – Helfen auch Sie mit!

Sehen Sie nicht weg und seien Sie aufmerksam für Menschen, die auf der Straße leben. Wählen Sie den Notruf 112, wenn Sie einem hilflosen Menschen begegnen.

Folgende Möglichkeiten zur schnellen Hilfe gibt es:

⇒ Kontakt aufnehmen

Sprechen Sie die Menschen an, denn Jeder sehnt sich nach persönlichem Kontakt. Erkundigen Sie sich, ob Bedarf nach einem warmen Getränk oder einer warmen Mahlzeit besteht. Was wird gerade am dringendsten benötigt, um das Überleben zu sichern?

⇒ Geld spenden

Jeder obdachlose Mensch freut sich über Ihr Kleingeld. Und ja, vielleicht wird Ihre Spende in Alkohol oder Tabak investiert. Im Umkehrschluss möchten aber auch Sie keine Auskunft darüber geben, wofür Sie Ihr Geld ausgeben. Viele Obdachlose sind alkoholabhängig. Der Alkoholkonsum hilft Manchen beim Vergessen der eigenen schwierigen Vergangenheit.  

⇒ Hilfseinrichtungen unterstützen

Sie haben Hemmungen, direkt auf Betroffene zuzugehen? Dann hilft der Weg zu den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe. Ob Geld- oder Sachmittelspende –   informieren Sie sich im Vorfeld, was wirklich gebraucht wird. Der Bedarf hängt u.a. von der Jahreszeit und der jeweiligen Einrichtung ab, da meist nur kleine Lagerräume zur Verfügung stehen.

Eine weitere gute Möglichkeit ist das Ehrenamt, eine Hilfe von unschätzbarer Bedeutung. Die Angebote, wie z.B. das Café Löffel in Lahr, würden ohne bürgerschaftliches Engagement nicht existieren. Machen Sie mit!

 

Kältehilfe in Corona-Zeiten

© Diakonie Baden

Julia Schlembach,
Referentin Wohnungslosenhilfe

Jede Kommune ist verpflichtet, nicht freiwillig Wohnungslosen ein Obdach zur Verfügung zu stellen. In Zeiten der Pandemie eine schier unlösbare Aufgabe. Um den Abstands- und Hygienevorschriften in der Unterbringung gerecht zu werden, muss es noch in diesem Jahr mehr Angebote der Kältehilfe geben.

 

 

 

Fragen an Julia Schlembach, Referentin für die Wohnungslosenhilfe:

Was bedeutet der zweite Lockdown für wohnungslose Menschen und für unsere Einrichtungen vor Ort?

Die aktuellen Beschlüsse tangieren uns alle, aber wohnungslose und obdachlose Menschen sind wieder im Besonderen davon betroffen.

Umso wichtiger ist es, dass die Angebote der Wohnungslosenhilfe der Diakonie Baden auch in dieser Phase der Pandemie geöffnet bleiben. Die Angebote waren im Frühjahr weiterhin geöffnet und die Dienste und Einrichtungen setzen jetzt im Herbst erst recht alles daran weiter zu öffnen zu können.

Die Bedingungen vor Ort sind schwierig. Sie sind sehr herausfordernd für Klientinnen und Klienten und Mitarbeitende.

Denn es geht jetzt wieder um eine Häuslichkeit, die wohnungslose Menschen nicht haben. Sie haben im schlechtesten Fall gar kein Dach über dem Kopf und sind obdachlos oder aber leben in unguten Wohnverhältnissen. Und das eben auch noch zu einer Zeit, in der es kalt ist und in der das „Platte machen“ noch gefährlicher wird.

Außerdem brechen wieder Einnahmequellen – wie betteln oder Flaschen sammeln vor Veranstaltungen – weg, wenn das öffentliche Leben runtergefahren wird.

Die Mitarbeitenden in den Einrichtungen sind sich der großen Relevanz ihrer Arbeit bewusst.

Es geht hier nicht nur um „politische“ Systemrelevanz, sondern das ist eine Haltung diakonischer Sozialer Arbeit.

Die Kolleginnen und Kollegen vor Ort arbeiten seit vielen Monaten am Rande des Leistbaren und immer im Spagat zwischen der Sorge um die Klientinnen und Klienten und auch um ihre eigene Gesundheit.

Was sind die besonderen Herausforderungen in der kalten Jahreszeit?

Bei der Diakonie Baden gibt es zum Beispiel Tagesstätten in Freiburg, Lahr oder Karlsruhe. Das sind niedrigschwellige Aufenthaltsorte für wohnungslose Menschen, wo sie neben einer Grundversorgung, wie duschen, Wäsche waschen, Essen, eigentlich auch Wärme finden und Gemeinschaft. Und genau das ist seit vielen Monaten nur noch bedingt möglich. Die Angebote werden so gut es geht aufrechterhalten, aber zum Beispiel ständiges Lüften macht eine sogenannte Wärmestube ganz schön kalt.

Vor allem in Hinblick auf die kalte Jahreszeit sind diese Angebote essenziell in der Versorgung für die Schwächsten in unserer Gesellschaft und leisten einen unglaublichen Beitrag für das soziale Miteinander.

Zum anderen stehen auch Städte und Kommunen vor immensen Herausforderungen den Erfrierungsschutz unter Pandemiebedingungen sicherzustellen. Denn wenn aufgrund von Kälte Gefahr für Leib und Leben besteht, müssen die Kommunen obdachlose Menschen unterbringen. Und das gerade in diesem Jahr unter guten und hygienischen Bedingungen!

Denn in dieser Winterperiode geht es nicht nur um das Erfrieren, sondern auch um den Schutz vor dem Virus.

Ich appelliere hier an die kommunalen Partnerinnen und Partner! Es darf nicht noch mehr Kältetote geben, weil aufgrund der Abstands- und Hygienevorschriften zu wenig Schlafplätze mit gutem Standard vorgehalten werden.