Brückenbauen mit dem BFD Ü27

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Freiwilligendienst in Baden als erfolgreiches Karriereinstrument

Kristina Rifel in der Werkstatt des Hauses Bodelschwingh Karlsruhe

BFD Ü27, ein Bundesfreiwilligendienst für Menschen, die älter als 27 Jahre sind. Das gibt Orientierung, er hilft bei der Karriereplanung, hilft Notzeiten zu überbrücken – und ist vor allem karitativ sinnvoll. Eine eierlegende Wollmilchsau also – die seltsamerweise relativ unbekannt ist. Auch Kristina Rifel kam eher per Zufall zur Diakonie – und will nun überhaupt nicht mehr weg.

Kristina Rifel ist 28 Jahre alt. Ein Jahr arbeitet sie im Rahmen ihres BFD Ü27 im Bodelschwinghhaus in Karlsruhe mit psychisch- und suchtkranken Menschen. So gut gefällt ihr die Arbeit in der topmodernen Einrichtung, dass sie gerade erst ihren Freiwilligendienst um ein halbes Jahr verlängert hat.

Viele Wege – ein Ziel

„Ich bin hier eigentlich per Zufall gelandet. Aber ich habe das Gefühl, dass mein Weg genauso laufen sollte“, sagt Kristina. Vieles hatte sie in ihrem beruflichen Leben bereits gemacht. Modedesign, Einzelhandelskauffrau. Aber immer war ihr klar, dass das nicht der Beruf ist, in dem sie bleiben wollte. Dann machte sie eine Weiterbildung zur Mobilen Haushaltshilfe. „Da habe ich die Rückmeldung bekommen, dass ich für einen sozialen Beruf gut geeignet bin und ich habe gemerkt, wie sehr mir die Arbeit mit Menschen liegt.“ Der Traum wurde geboren, Jugend- und Heimerzieherin oder Erzieherin zu werden. Was sie vor einer Ausbildung noch brauchte, war ein einjähriges Berufspraktikum. Die Suche danach brachte sie zum BFD Ü27.

„Da ist alles irgendwie besser“

„Von allem, was ich zuvor gelesen oder gehört habe, hat mir die Diakonie am besten gefallen. Auch die Ziele, wofür die Diakonie steht, haben mir gefallen. Wirklich helfen zu wollen, das meinen die wirklich ernst.“ So kam es zum Bewerbungsgespräch. „Ich habe mich bei mehreren Organisationen beworben. Nicht nur bei der Diakonie. Aber dort ist alles viel besser gelaufen, als bei den anderen. Das war schon so beim Vorstellungsgespräch. Das war so mega, dass ich mir gesagt habe, da möchte ich unbedingt hin. - Dann wurden mir verschiedene Einsatzstellen gezeigt, darunter auch das Haus Bodelschwingh. Ich hatte einfach das Gefühl: Da pass ich voll gut hin. Und das denke ich heute noch. Also ich würde am liebsten komplett hier bleiben.“

„Ein BFD Ü27 ist wie ein Pfadfinder“

Die Geschichte von Kristina ist kein Einzelfall, sagt Michael Giese, bei der Diakonie Baden verantwortlich für die älteren Freiwilligen. „Das gilt für 80 Prozent unserer Freiwilligen: ein Testlauf, reinschnuppern und die Frage zu klären, ob ein sozialer Beruf das Richtige ist oder nicht.“ Giese unterscheidet grob fünf Typen, die sich für einen BFD Ü27 interessieren: Frauen und Männer, die eine Brücke in den Beruf suchen. Frauen, die ihre Kinder großgezogen haben, und nun über eine Rückkehr in den alten Beruf nachdenken. Da man den BFD Ü27 auch in Teilzeit machen kann, eine gute Gelegenheit, sowohl das berufliche Umfeld zu checken, und gleichzeitig für die Familie da sein zu können. Ist die Testphase erfolgreich, bewerben sie sich zumeist zurück in ihren alten Beruf. Die dritte Variante sind Menschen, die aus einer Krankheit, beispielsweise dem Burnout kommen. Die beruflich selbständig waren, einen Zusammenbruch erlitten haben und nun im sozialen Bereich eine neue berufliche Zukunft ausprobieren wollen. Dann gibt es zumeist Frauen, die aus dem Ausland nach Deutschland kommen, hier ein Au Pair machen und danach eine Möglichkeit suchen, beispielsweise im Krankenhaus oder in der Pflege zu arbeiten. Die fünfte Variante sind Menschen, die zum Beispiel mit 63 ihre Arbeit verloren haben, und nun nach einer Möglichkeit suchen, die Zeit bis zur Rente zu überbrücken. Da die Einsatzstelle Kranken-, Renten- und Sozialversicherung bezahlt, kann der BFD wieder eine Brücke sein - diesmal aus dem Berufsleben heraus in die Rente.

Diakonie garantiert hohe Qualität

„Wir wissen um die Qualität unserer Arbeit“, sagt Giese selbstbewusst. Die Freiwilligen würden bei der Diakonie gut und auf eine freundschaftliche Art begleitet. Vom Anfang bis zum Ende. Wenn es Schwierigkeiten gebe, sei die Diakonie mit ihren Anleitungen da. Auf den Seminaren werde gezielt und individuell gefragt nach dem Stand der Dinge, wie zufrieden jemand ist oder welche Probleme jemand hat. „Wir kommen so unserem diakonischen Auftrag nach. Wir sind Diener“, betont Giese den christlichen Hintergrund der Diakonie. Mit diesem Konzept habe man Erfolg. „Mehr als 66 Prozent unserer Freiwilligen gehen nach ihrem Dienst in einen sozialen Beruf. Das ist eine im Vergleich zu anderen Anbietern sehr hohe Quote.“

Die langjährige Erfahrung beweist Giese, dass der enge Kontakt zu den Freiwilligen sehr stark dabei hilft, dass diese am Ende ihres Dienstes gerne weiter in einem sozialen Beruf arbeiten wollten. „Wenn ich im direkten Gespräch mit den Freiwilligen höre, dass sie im sozialen Bereich weiterarbeiten wollen, dann sucht die Diakonie, in dem Fall ich, zunächst in der Einsatzstelle direkt nach Möglichkeiten, eine Ausbildung zu beginnen. Ist das dort nicht gegeben, dann nehme ich den Telefonhörer in die Hand, und höre mich bei den Einsatzstellen der Diakonie in ganz Baden um, wo es einen Ausbildungsplatz gibt. Da habe ich eine ganz gute Erfolgsquote: mir gelingt es, mehr als 80 Prozent der Freiwilligen in Ausbildung zu bringen.“

Wer einen Platz im Bundesfreiwilligendienst bei der Diakonie Baden bekommt und das möchte, der kann sich also ziemlich sicher sein, dass sein beruflicher Weg danach so gut wie geebnet ist. Aber auch schon die Monate während des Freiwilligendienstes sind geprägt durch Fürsorge und professionelle Begleitung zugunsten der Freiwilligen. „Wir versuchen jedem, der einen Freiwilligendienst leistet, das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten“, betont Michael Giese. Das bedeutet neben Spaß und Ausbildung auch Schutz. „Wir achten peinlich darauf, dass die Freiwilligen nie in Extremsituationen geschickt werden.“ Sollte es zu Erfahrungen mit Leid oder Sterben kommen, würden die Erlebnisse mit den Freiwilligen aufgearbeitet. Niemand bleibe mit seinen Erfahrungen allein.

Von Begleitung allein kann man aber nicht leben. Deshalb bekommen Männer und Frauen, die einen Bundesfreiwilligendienst Ü27 machen, 500 Euro Taschengeld im Monat. Das sei vielleicht nicht viel, ergänzt Michael Giese, aber im Vergleich mit anderen Verbänden liege die Diakonie damit im oberen Drittel. Und: Am Ende des Dienstes bekomme jeder Freiwillige ein Zeugnis, das ihn weiter empfiehlt und ihm den beruflichen Weg ebnen helfen soll.

Gute Erfahrungen

Kristina Rifel hat all das überzeugt. Sie hat ihren BFD Ü27 sogar verlängert und will später in einem sozialen Beruf arbeiten. Für die Entscheidung waren neben der guten Betreuung die praktischen Erfahrungen im Bodelschwinghhaus maßgeblich. „Ich habe mir den Umgang mit Menschen, die psychische oder Suchterkrankungen haben, anfangs viel schlimmer vorgestellt“, erzählt Kristina. „Ich muss von der Einsatzleitung her nur die Dinge tun, die ich auch wirklich tun möchte. Und so bietet sich mir eine Vielzahl an Möglichkeiten: Ich helfe im Verkaufsladen, ich helfe den Bewohnern in der Wäscheküche, mittwochs ist Basteln. In den Wohngruppen bin ich beim Aufräumen oder Saubermachen.“ ‚Helfen‘ bedeute in der Praxis aber meist nur wenige Minuten aktive Arbeit. „Meine Aufgabe ist es vielmehr, zu begleiten, zu motivieren, Impulse zu setzen. Ich verbringe Zeit mit den Menschen, suche das Gespräch mit ihnen und versuche so Sorge zu tragen, dass es ihnen gut geht.“

Aktuell hat die Diakonie Baden insgesamt rund 1000 Freiwillige. Davon machen 250 einen BFD. Davon sind etwa 40 Männer und Frauen 27 Jahre oder älter. „Wir könnten viel mehr Menschen in das Programm aufnehmen“, sagt Michael Giese. Dass es nicht mehr seien liege daran, dass der Bund dafür ein Kontingent festgesetzt habe. Das sei so, seitdem die Wehrpflicht 2011 abgeschafft wurde. Die Diakonie Baden arbeite aber daran, dass das Kontingent ausgeweitet wird. „Unser Ziel ist es, insbesondere beim BFD Ü27 die Stellen auszubauen.“

Wer sollte einen BFD Ü27 machen?

Einen Bedarf an zusätzlichen Plätzen scheint es zu geben. Denn die Möglichkeiten, die der BFD Ü27 bietet, sind groß. „Einen BFD Ü27 sollte derjenige machen, der sich in seinem Beruf nicht mehr wohlfühlt“, sagt Kristina und spricht dabei aus eigener Erfahrung. Bis zu anderthalb Jahre könne man sich selber ausprobieren und ganz bestimmt nichts falsch machen. „Es ist keinesfalls eine verschwendete Zeit, weil man sicher sein kann, mit der eigenen Arbeit Menschen zu helfen.“ Einen BFD sollten auch jene machen, sagt Kristina, die nicht mehr so richtig wüssten, wohin es für sie in ihrem Leben gehen solle, denen ein Sinn fehle, oder jene, die einfach ein Jahr lang etwas Gutes für andere machen wollten. Diese Menschen seien im BFD auf alle Fälle gut aufgehoben. Und Michael Giese ergänzt: „Ein BFD Ü27 ist gut für alle, die eine langfristige Perspektive in seinem sicheren Arbeitsfeld suchen, die nicht mehr wissen, wie es weiter geht, die etwas mit Menschen zu tun haben und helfen wollen“.

Die Bewerbung vor Ort

Und wie bewirbt man sich auf einen BFD Ü27? „Ganz einfach“, sagt Giese. Entweder online unter www.diakonie-baden.de/fwd oder man nehme direkt mit der Diakonie Baden in der Vorholzstraße 3 in Karlsruhe Kontakt auf. Man könne sich auch direkt bei der Einsatzstelle seiner Wahl melden. „Der allergrößte Teil unserer Leute bewirbt sich, nachdem sie sich schon in einer Einsatzstelle vorgestellt haben. Die wissen also schon, wo sie hin wollen.“ In großen Einsatzstellen, wie beispielsweise dem SRH-Klinikum oder dem Epilepsiezentrum Kork, sollten Freiwillige fragen, was sie machen sollen und was sie gerne möchten.

Wer kann einen BFD ü27 machen?

Am Bundesfreiwilligendienst Ü27 können Frauen und Männer ab 27 Jahren teilnehmen. Es gibt keine Altersbeschränkung nach oben. Die Teilnahme ist unabhängig von der (Schul-) Ausbildung und nicht an eine Kirchen- oder Religionszugehörigkeit gebunden. Die Freiwilligen bewerben sich direkt bei einer für den BFD anerkannten Einsatzstelle oder bei der Diakonie Baden. Nach Eingang der Bewerbung erfolgt ein Bewerbungsgespräch sowohl in der Einsatzstelle als auch bei der Diakonie. 500 Euro gibt es im Monat. Empfänger*innen von ALG II behalten ihre Bezüge. Sie sind dann beim Taschengeld gedeckelt auf maximal 200 Euro. Der Dienst kann zwischen 6 und 18 Monaten absolviert werden.

Jetzt anrufen:

„Diakonie Baden, Freiwilligendienste: 0721 9349-550 ”

Gefördert durch: Evangelische Landeskirche in Baden; Ministerium für Soziales & Integration des Landes Baden-Württemberg,;  Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Im Verbund der Evangelischen Freiwilligendienste