Woche der Diakonie 2019

1. Juli 2019
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Woche der Diakonie 2019

Eröffnung der Woche der Diakonie in Wertheim
© Diakonie Baden

Besucher bei der Eröffnung der Woche der Diakonie

Besucher auf dem Marktplatz in Wertheim filmen die Eröffnung der Woche der Diakonie 2019

Wertheim war am 29. Juni Eröffnungsort der Woche der Diakonie 2019. Von morgens bis zum Nachmittag zeigte sich die Diakonie im Main-Tauber-Kreis mit ihren Angeboten. Das Publikum wurde kulturell, politisch und kulinarisch unterhalten.  

Unter dem Motto „Unerhört! Diese Alltagshelden.“ nahm die Diakonie Menschen in den Blick, die Alltagshelden sind. Menschen, die nicht immer auf der Sonnenseite des Lebens stehen, die unter erschwerten Bedingungen ihren Alltag meistern. Aber auch die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Diakonie, die jeden Tag aufs Neue diesen Menschen dabei helfen, ihren Alltag zu bestehen. Oft werden weder die einen noch die anderen öffentlich wahrgenommen. An diesem 29. Juni in Wertheim war das anders.  

Im Interview mit Christian Könemann, dem Pressesprecher des Diakonischen Werks Baden sprach die die Erzieherin Nadine Noack über die alltägliche Belastung in den Kindertageseinrichtungen. Die Aufgaben nähmen zu. Immer mehr müssten Erzieher und Erzieherinnen Defizite ausgleichen, die aus dem häuslichen Umfeld der Kinder kommen. Viel Zeit müsste aufgewandt werden, um den Kleinen Grundkompetenzen des Alltags zu vermitteln. Zeit, die für die pädagogische Förderung der Kinder fehle. Überhaupt fehle es an Personal. Krankheitsbedingte Ausfälle könnten kaum kompensiert werden. Dazu sei der Beruf gemessen an seiner gesellschaftlichen Bedeutung schlecht bezahlt und öffentlich kaum wertgeschätzt.  

Jasmin Zirkenbach, Mutter von fünf Kindern, berichtete, wie schwierig es ist, bezahlbaren und angemessenen Wohnraum zu finden. Zwei Jahre habe sie gesucht, bis sie eine Bleibe gefunden habe, die groß genug und bezahl bar sei. Vermieter würden ungerne an Familien mit Kindern vermieten. Wohnungen seien manchmal in schlechtem Zustand und Familien mit Kindern nicht zumutbar. Die Familienberaterin Birgit Schulz bestätigte diese Erfahrung. Grundsätzlich gebe es zu wenig bezahlbaren Wohnraum. Das sei seit Jahren bekannt und dennoch ändere sich nichts an der Situation.  

Tobias Albrecht von der Johannes-Diakonie Mosbach klagte über den Mangel an geeigneten Fachkräften in der Behinderten- und Altenhilfe. Es sei schwierig, den Bedarf zu decken. Albrecht forderte ein Umdenken der Politik. Die Infrastruktur müsse verbessert, mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen und Baugrundstücke vor allem an Anbieter verkauft werden, die Ihre Mitarbeiter nach Tarif bezahlen. Das stärke den Standort und mache ihn attraktiv für Arbeitnehmer.  

 In einer großen Podiumsdiskussion wurden diese Anregungen und Klagen aufgegriffen. Wertheims neuer Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez sicherte zu, sich für mehr sozialen Wohnraum einsetzen zu wollen. Dazu wolle er die Wohnungsbaugesellschaften nutzen, wünschte sich aber auch mehr Unterstützung vom Land. Viele der Forderungen seien gerechtfertigt. Letztlich aber müssten nötige Maßnahmen auch bezahlbar sein. Mit dem Diakonischen Werk will Herrera Torrez vor Ort eng zusammenarbeiten.  

Auch Wolfgang Pempe, Geschäftsführer des Diakonischen Werks im Main-Tauber-Kreis, signalisierte seinen Wunsch, enger mit der Stadt zu kooperieren. Viel Fachwissen bringe man mit und werde es dem Oberbürgermeister gerne zu Verfügung stellen. Man wisse, wo in Wertheim die sozialen Brennpunkte seien. Herrera Torrez und Pempe signalisierten beiderseits die Bereitschaft zur engen Zusammenarbeit.  

Der Vorstandsvorsitzende der badischen Diakonie, Oberkirchenrat Urs Keller, mahnte zum Handeln. Allein das Thema Wohnraummangel könne zum sozialen Sprengstoff werden. Die Arbeit in den Kindertageseinrichtungen müsse dringend mehr wertgeschätzt werden. Auch wenn Baden-Württemberg im Bundesvergleich einen guten Personalschlüssel habe müssten die Erzieher und Erzieherinnen entlastet werden. Ihre Arbeit sei für die Zukunft der Kinder zu wichtig. Überhaupt, so Keller, sei Politik gut beraten, mit der sozialen Arbeit vor Ort eng zusammenzuarbeiten. Das könne für beide Seiten nur ein Gewinn sein.  

Eröffnet worden war die Woche der Diakonie von Dekan Hayo Büsing und einer Andacht von Bezirksdiakoniepfarrerin Dr. Annegret Ade. Auf der Bühne auf dem Wertheimer Marktplatz spielten der Posaunenchor, die Singpiraten der Johannes-Diakonie, die evangelische Kindertagesstätte Burg Wirbelwind, der Kinder- und Jugendchor, die Trommler von Blefono, der offene Chor Vielfalt Wartberg und die Gewölbegauckler des Convenartis Kleinkunstvereins. Durch die Veranstaltung führten Volker Erbacher, Verantwortlicher für die Woche der Diakonie Baden und Christian Könemann.  

Auf dem Marktplatz präsentierte sich die Diakonie im Main-Tauber-Kreis mit ihren Angeboten. Es gab kostenfreies Diakonie Eis, Mitmachaktionen und Musik.  

Beendet wird die Woche der Diakonie mit einem Festgottesdienst in Wertheim am 7. Juli.