Gegen Massenunterkünfte

18. Juni 2020

Flüchtlingsunterbringung ist Covid-19-Risiko

© Diakonie Baden

Flüchtlinge in einer Unterkunft in Karlsruhe

Zum Weltflüchtlingstag (20. Juni) mahnt das Diakonische Werk Baden dringenden zu einem Umdenken in der Flüchtlingsunterbringung. Angesichts der Corona-Pandemie sei es geradezu fahrlässig, Menschen weiter über Monate in Massenunterkünfte zu zwingen.

Vorstandsvorsitzender Urs Keller sagte, bislang habe Baden-Württemberg Glück gehabt und sei von einer größeren Zahl von COVID-19-Infektionen in Flüchtlingsunterkünften verschont geblieben. Die Mitarbeitenden der Unterbringungsverwaltung, der Verbände und viele ehrenamtlich Engagierte hätten eine hervorragende Arbeit geleistet. Die Flüchtlingsaufnahme und die Integrationsarbeit hätten auch unter den extrem schwierigen Corona-Bedingungen weiter gut funktioniert. „Wenn aber weiterhin daran festgehalten wird, Geflüchtete möglichst über viele Monate und sogar Jahre in Großunterkünften von mehreren hundert Menschen auf engstem Raum unterzubringen, dann schaffen wir Bedingungen, die die Ausbreitung des Corona-Virus geradezu befördern“, so Keller.

Geflüchtete seien in Baden-Württemberg sowohl in den Erstaufnahmeeinrichtungen, aber auch in vielen Sammelunterkünften oft in kleinen Mehrbettzimmern mit bis zu sechs Personen untergebracht. Dusch- und Waschräume, Toiletten und Küchen müssten gemeinsam genutzt werden. Mit Blick auf die Corona-Pandemie verlangten auch das Robert-Koch-Institut und eine jüngst veröffentlichte Studie der Universität Bielefeld deutlich höhere Standards für die Unterbringung von Flüchtlingen.

„Jetzt rächt sich bitter, dass wir seit 2016 aus Angst vor rechtsradikalen und antidemokratischen Parteien die Rahmenbedingungen für die Integration von Geflüchteten massiv verschärft haben“, betont Jürgen Blechinger, Jurist und Referent für Flucht und Migration der Diakonie Baden. Dass Asylbewerber bis zu anderthalb Jahre und länger auf engstem Raum zusammenleben müssten, sei neben den hygienischen Aspekten auch integrationspolitisch eine Katastrophe. „Durch solche Lebensbedingungen – gekoppelt mit einem Erwerbstätigkeitsverbot - verhindern wir Integration“, so Blechinger. Die Erfahrungen gerade der vergangenen Jahre zeige, dass Integration gelinge, wenn man frühzeitig auf Integrationsförderung setze. Dazu sei es wichtig, neu aufgenommene Asylsuchende sehr schnell auf Kreise und Gemeinden zu verteilen. „Dezentrale Unterbringungskonzepte begünstigen die Integration ins Gemeinwesen, befördern den Zusammenhalt in der Gesellschaft und vermeiden unnötige Kosten“, so Blechinger weiter.