Rückendeckung für Flüchtlingsarbeit

28. März 2018
  • Diakonie Baden
  • Diakonische Werke

Prof. Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh und Oberkirchenrat Urs Keller

Die evangelische Landeskirche und das Diakonische Werk Baden haben sich für mehr Besonnenheit in der Abschiebepolitik ausgesprochen. Die Rückführung von Flüchtlingen müsse sein, wenn diese gerechtfertigt sei. Dabei dürfe man aber das Einzelschicksal nie aus dem Blick verlieren, allen gesetzlichen Bestimmungen zum Trotz. Bei einem Pressegespräch nahmen Kirche und Diakonie Stellung zu aktuellen Vorwürfen gegenüber Flüchtlingshilfevereinen. Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh und Diakonie-Chef Urs Keller betonten die Bedeutung ehrenamtlichen Engagements. Hier schlage das Herz der Gesellschaft. Anfeindungen gegenüber Flüchtlingshelfern werde man entschlossen entgegentreten. Das Gespräch fand statt in den Räumen des Karlsruher Vereins zur Unterstützung traumatisierter Migranten.

Die Flüchtlingsdebatte sollte nach Ansicht von Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh nicht für innenpolitische Interessen instrumentalisiert werden. "Mein Eindruck ist, dass das Thema derzeit stark mit einem Blick nach innen diskutiert wird", sagte der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden am Mittwoch in Karlsruhe. Oft hieße es, "Was haben wir davon?" oder "Was bringt uns das für Wahlen?". Allein solche Diskussionen würden aber der Lage nicht gerecht.

Stattdessen wäre es besser zu schauen, warum Menschen flüchteten oder was ihre Bedürfnisse seien. "Wir müssen den Flüchtlingen als Menschen mit individuellen Geschichten begegnen", sagte Cornelius-Bundschuh. Es könne nicht nur darum gehen, sie "irgendwo aufzubewahren", sondern eine humanitäre Politik zu etablieren, die die Schicksale der Flüchtlinge im Blick hat und Ehrenamtliche bei ihrer Arbeit unterstützt. Er halte die Frage, wie die Gesellschaft mit Flüchtlingen umgehe, für eine der großen Herausforderungen unserer Zeit.

Der Flüchtlingsexperte der badischen Landeskirche, Jürgen Blechinger, berichtete, dass die Mitarbeiter in Beratungs- und Begleitungsangeboten für Flüchtlinge teils einen massiven Druck auf die Behörden spürten. "Unser Gefühl ist, dass sie Zahlen und Abschiebungen liefern sollen", erklärte der Jurist. Und wenn eine Abschiebung aus Einzelgründe nicht klappe, sei es schwierig, gemeinsam mit den Behörden Lösungen zu finden. Als mögliche Einzelgründe gelten zum Beispiel, dass sich die Zustände im Herkunftsland verschlechtert haben oder jemand eine Ausbildung begonnen hat. Vor allem, seitdem die AfD im Landtag sitze, sei es problematisch geworden. "Die Landesregierung muss sich jetzt dafür rechtfertigen, wenn jemand doch nicht abgeschoben wird", sagte Blechinger.

Der Vorsitzende der Diakonie Baden, Oberkirchenrat Urs Keller, appellierte an die Behörden, Einzelfälle genau anzuschauen. "Die Fälle müssen ganz präzise und personenbezogen geprüft werden", erklärte er. Er habe bei vielen Behörden den Eindruck, dass sie sich wirklich Mühe geben, aber die großpolitische Wetterlage erschwere ihnen die Arbeit. Die badische Landeskirche und die Diakonie Baden hatten zu einer Pressekonferenz eingeladen, um auf den politischen Druck in der Flüchtlingsarbeit aufmerksam zu machen.

Quelle: epd.