Gewinner Journalistenpreis 2020

14. Juli 2020

Logo des Diakonie Journalistenpreises Baden-Württemberg

Die Gewinner des Diakonie Journalistenpreises Baden-Württemberg 2020 stehen fest. Die Jury aus namhaften Journalisten, Wissenschaftlern und Vertretern von Diakonie und Kirche wählte aus rund 100 Einsendungen die diesjährigen Preisträger aus.

In der Kategorie Fernsehen wird die SWR-Reportage von Sebastian Georgi und Markus Henssler ausgezeichnet. Unter dem Titel „Im Alter einsam? Muss nicht sein!“ porträtiert der Film drei Menschen und ihren Umgang mit ihrem Alter und ihrer Einsamkeit. Nach Überzeugung der Jury setzt der Autor ein gesellschaftlich hochrelevantes Thema filmisch gut um. Er zeigt ungeschminkt, wie Alter eine Belastung sein, der Körper zum eigenen Gefängnis werden kann. Aber er ermuntert auch, Angebote zu Teilhabe anzunehmen und von sich aus aktiv zu werden. Alter wird als Chance für einen neuen Lebensabschnitt beschrieben.

In der Kategorie Hörfunk lang geht der Diakonie Journalistenpreis an Sabine Brütting. Mit ihrem Beitrag „Der Abschied vom perfekten Kind“ aus der SWR Redaktion Religion, Migration und Gesellschaft portraitiert die Autorin eine junge Familie, der ein Kind mit einer sehr schweren und sehr seltenen Krankheit geboren wird. Die Reportage beschreibt, wie die Eltern sich entwickeln von der enttäuschten Hoffnung auf ein gesundes Kind, über die Krise und das Beinahe-Scheitern bis hin zur Fähigkeit, sein Schicksal und Hilfsangebote anzunehmen. Die Jury überzeugte die journalistische Leistung, die klare Struktur des Beitrags und die professionelle Distanz, mit der die Autorin die Geschichte erzählt.

Der Preis für den Hörfunk-Kurzbeitrag geht an Verena Neuhausen von SWR Studio Stuttgart. Die Autorin begleitet Eltern in einem Mordprozess, deren Kinder bei einem Raserunfall getötet wurden. Die Jury wertete die journalistische Aufarbeitung dieses schwierigen Themas. Verena Neuhausen wählt nicht die Perspektive der Täter. Sie gibt den Opfern eine Stimme.

Der Siegerbeitrag in der Kategorie Online trägt den Titel „Brüder leiden an seltenem Gendefekt“ von Lisa-Marie Jeschina und Jasmin Larmache. Die Dokumentation zeigt einen Vater, der sich zuhause um seine beiden schwer behinderten Söhne kümmert. Der auf Focus Online veröffentlichte Beitrag nimmt die Zuschauer mit ins Wohnzimmer der Familie. Hier versorgt der Vater mit viel Liebe seine Kinder, die nur kaum merkbar reagieren können. Die Jury lobt die emotional anrührende Darstellung, verknüpft mit dem Engagement des Mannes für Selbsthilfe und Forschung. Die ins Leben gerufene Spendenaktion wird seinen Kindern nicht mehr helfen, aber der Vater gibt zu bedenken: „Es kann jeden treffen.“

Der Preis in der Kategorie Print wird vergeben für den Beitrag „Ausgeliefert“, veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung. Hilke Lorenz thematisiert Nöte, die auch sehr junge Kinder in den Kinderkurheimen in den 1950er bis 70er Jahre erleiden mussten. Im Mittelpunkt steht das Schicksal einer Frau, die 1975 als Sechsjährige eine traumatisierende Zeit erlebt. „Der Beitrag ist fesselnd geschrieben, zwingt zum Nachdenken über ungeheuerliche Vorgänge und bringt endlich in die Öffentlichkeit, was die Betroffenen Jahrzehnte ihres Lebens mit sich herumtragen“, lobt die Jury. In einem wenig später erschienen Beitrag der Autorin kommen damalige Erzieherinnen und weitere „Verschickungskinder“ zu Wort.

Der Diakonie Journalistenpreis Baden-Württemberg wird am 2. Dezember 2020 in Karlsruhe verliehen. Es werden Preisgelder von insgesamt 12.500 Euro vergeben. Der Preis wird auch 2021 ausgelobt.

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