Diakonie gegen Impfpflicht von Pflegekräften

13. Januar 2021

Information und Aufklärung sind gefragt

Oberkirchenrat Urs Keller, Vorstandsvorsitzender

Das Diakonische Werk Baden hat sich gegen eine Impfpflicht für Pflegekräfte ausgesprochen. Vorstandsvorsitzender Keller nennt die aktuelle Diskussion eine sinnlose Scheindebatte. Sie sei getrieben von der Sorge um weiter zu hohe Infektionszahlen und Aktionismus.

Keller mahnt zu mehr Realitätsnähe. Wer nachdenke komme zu der Frage, was eine Impflicht bedeuten würde. „Sollen jene, die sich nicht impfen lassen, mit einem Arbeitsverbot belegt werden? Angenommen, es gäbe genügend Impfstoff, sollen dann die Unwilligen zwangsvorgeführt werden?“, hinterfragt der Verbandschef. Niemand könne ernsthaft wünschen, dass Pflegebedürftige sich selbst überlassen blieben, weil für Pflegekräfte eine Impfpflicht bestehe.

Keller warnt davor, Pflegekräfte aufgrund einiger Umfragen pauschal in die Impfverweigererecke zu stellen. Das sei vollkommen unangemessen und diskriminierend. Auch warnt der Theologe davor, das Problem der hohen Infektionszahlen einseitig in den Einrichtungen der Altenhilfe zu verorten. Wer diesen Eindruck erwecke, mache es sich zu einfach.

Stattdessen fordert der Vorstandsvorsitzende mehr Aufklärung und Information über die Impfungen. Die Bereitschaft zur Impfung müsse gefördert werden. Mit Erlassen oder Verboten sei wenig zu gewinnen.

Insgesamt sind 444 Pflegeangebote unterschiedlichster Art in Trägerschaft von diakonischen Mitgliedseinrichtungen in Baden. Rund 13.500 Menschen werden hier von mehr als 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betreut.