Aktionswoche Schuldnerberatung

6. Juni 2016
  • Armut
  • Schuldnerberatung
  • Soziale Arbeit

Die sechste bundesweite Aktionswoche der Schuldnerberatung nimmt 2016 das Thema Krankheit in den Fokus. Unter dem Motto „Schulden machen krank – Krankheit macht Schulden“ wird auf die besondere Wechselwirkung der beiden Komponenten hingewiesen. Das Diakonische Werk Baden beteiligte sich mit einer Pressekonferenz am Auftakt der Aktionswoche.

Die Fachreferentin für Schuldnerberatung, Gabriele Kraft, forderte, die Soziale Schuldnerberatung auf eine verlässliche finanzielle Grundlage zu stellen. Kraft sagte, derzeit bekomme nur der eine Soziale Schuldnerberatung von den Behörden bezahlt, der bereits Sozialhilfe beziehe und die als sogenanntes „Vermittlungshemmnis“ gewertet werde. Die Soziale Schuldnerberatung könne sich um diese Menschen also erst kümmern, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen sei. Derzeit gebe es keine verlässliche Grundlage für die Finanzierung. Diese würde von vielen individuellen kommunalen Parametern abhängen. Die regionalen Diakonischen Werke seien also auf Eigenmittel und sogar Sponsoren angewiesen, um Menschen in Not helfen zu können.

Besser, so Kraft, sei eine pauschale Vergütung. Das ermögliche den Trägern eine bessere Planung und Betreuung der Klienten. Der jetzige Zustand aber sei nicht zu begreifen. Von allen Seiten würden die Vorteile der Soziale Schuldnerberatung bestätigt, zuletzt im Armuts- und Reichtumsbericht Baden-Württembergs. Es sei wichtig, dass Soziale Schuldnerberatung in der Fläche angeboten werden könne. Wichtig seien auch präventive Angebote. Eine Studie aus Österreich zeige, dass jeder in die Schuldnerberatung investierte Euro mehr als fünf Euro soziale Folgekosten vermeide. Dennoch werde die Soziale Schuldnerberatung geringer refinanziert, als die Leistungen eines Anwalts, der sich ausschließlich um die finanzielle Komponente des Klienten kümmere. Die Soziale Schuldnerberatung der Diakonie habe aber den ganzen Menschen mit seinen vielfältigen sozialen Problemen im Blick und versuche, die Betroffenen zu stabilisieren und dauerhaft auf sichere Füße zu stellen.

Auch Hanne Gartner, Schuldnerberaterin im Diakonischen Werk Weinheim, unterstrich den Unterschied zur gewerblichen, kostenpflichtigen Beratung. Diese könne für die Klienten sogar ein Risiko werden, da sie zusätzliche Kosten in beträchtlicher Höhe nach sich ziehen könne. Gartner wies daraufhin, dass Krankheit und Schulden miteinander in mehrfacher Hinsicht in Beziehung stünden. Krankheit sei inzwischen die dritthäufigste Ursache für Überschuldungen. Wer durch Krankheit seine Arbeit, und damit sein Einkommen verliere, der gerate leicht in die Schuldenfalle. Schulden könnten eine Krankheit auch stabilisieren. Wer Schulden hat, leistet sich seltener Medikamente aus Angst vor den Zuzahlungen. Wer Schulden hat, ernährt sich schlechter und leidet unter Bewegungsmangel. Schulden könnten aber auch krank machen. Es sei erwiesen, dass sich Schulden negativ auf die Gesundheit auswirkten. Laut einer Studie der Universität Mainz sind acht von zehn überschuldeten Menschen krank. Sie litten unter Angstzuständen, Depressionen, Erkrankungen der Wirbelsäule und der Gelenke. Hinzu kämen Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen. Wer Schulden habe, der nehme weniger am sozialen Gefüge der Gesellschaft teil.

So erging es auch Luciano. Er ist bei Hanne Gartner in Betreuung und will seinen ganzen Namen nicht nennen. Wegen einer Augenerkrankung verlor er seine Arbeit als Gabelstaplerfahrer bei der Deutschen Bahn. Einen neuen Posten bei der BASF verlor er, weil er eine Hautkrankheit bekam. Ursache dafür war vermutlich der psychische Druck durch die Scheidung von seiner Frau und die Angst vor den Verlust der beiden gemeinsamen Kinder. Luciano sagt von sich selbst, er habe nach und nach den Boden unter den Füßen und komplett den Überblick über seine Situation verloren. Ab irgendeinem Punkt sei er nicht mehr in der Lage gewesen, sich der Fülle an Mahnungen und Auflagen zu stellen. Dennoch habe er immer wieder erfolglos versucht, durch Umschulungen und neue berufliche Anläufe alleine aus der Schuldenfalle heraus zukommen. Von der Diakonie habe er über einen Freund erfahren. Da habe er bereits 17.000 Euro Schulden vor sich her geschoben. Seinen Kindern habe er nicht einmal mehr ein Eis kaufen können.

Seit Anfang 2016 hilft ihm nun die Diakonie in Weinheim. Er sei seiner Beraterin unendlich dankbar. Erstmals nach Jahren habe er wieder das Gefühl, frei atmen zu können, Boden unter den Füßen zu haben. Es sei wieder Raum da für Hoffnung.