Schwangerschaft zwischen Natur und Technik

- Wird der Gesundheitscheck in der Schwangerschaft zukünftig zur Selektion der Gene?
Beratung für Schwangere ist schon seit 1976 ein wichtiges Angebot in den Diakonischen Beratungsstellen der badischen Landeskirche. In 36 Jahren haben sich deren Aufgaben deutlich verändert. Kinderwunsch und Pränataldiagnostik stellen die Fachkräfte der Schwangerenberatungsstellen vor ethische Grundsatzfragen. Ausgangspunkt sind die Entwicklungen in Wissenschaft und Medizin, die das Erleben einer Schwangerschaft verändert und neue Möglichkeiten eröffnet haben. Schwanger zu sein ist weiterhin die natürlichste Sache der Welt. Jedoch werden Schwangerschaften heute intensiv medizinisch betreut. Das dient - unverzichtbar - der Gesundheit der Mutter und des Kindes. Aber, war es in der Vergangenheit die Frage, wie sich die Handlungsmöglichkeiten der Medizin erweitern lassen, so wird heute kritisch gefragt, ob die Medizin noch darf, was sie inzwischen alles kann.
Schwangerschaft unter Vorbehalt ?
In Deutschland gibt es zum Beispiel einen neuen Bluttest für Schwangere. Er zeigt, ob eine Trisomie 21 beim ungeborenen Kind vorliegt. Dieses neue Verfahren ist risikofrei für das Ungeborene - so lange das Ergebnis nicht auf das Vorliegen eines Down-Syndroms hinweist. Die Bedenken, die gegen die neue Entwicklung vorgebracht werden konzentrieren sich auf Fragen wie: „Wird es in Zukunft die Schwangerschaft unter Vorbehalt geben?“ „Gehört demnächst zum Gesundheitscheck die Selektion von unerwünschten Genen?“ „Lässt sich noch abwenden, dass in einer Art Automatismus die Existenz von Kindern mit Down-Syndrom verhindert wird?“ „Welche gesellschaftliche Anerkennung erhalten die Eltern, die sich - trotz Diagnose - für die Geburt ihres Kindes entscheiden?“ Prinzipiell geht es um die Spannung zwischen wissenschaftlichem Fortschritt, der nicht verhindert werden kann und dem Bekenntnis zur ergebnisoffenen Beratung, die keine „Prinzipienethik“ zulässt, sondern den Einzelfall und die Kompetenz der Eltern nicht aus dem Auge verliert.
Entscheidungen brauchen Informationen
Um die für die Eltern richtigen Entscheidungen treffen zu können, bedarf es nicht nur ausreichender medizinischer Informationen, sondern auch einen Ort wie die Schwangerenberatung der Diakonie, an dem Frauen und Paare sich über die Bedeutung von Behandlungsmöglichkeiten auf das eigene Leben klar werden können. Vor diesem Hintergrund leisten die Schwangerenberatungsstellen heute zunehmend eine unterstützende Beratung auch bei ungewollt kinderlosen Paaren. Nöte und Sorgen werden gehört, der Umgang mit Ohnmacht, Hilflosigkeit und Trauer erfordert Seelsorge, anstrengende medizinische Behandlungen mit Achterbahnen der Gefühle sind zu begleiten. Immer wieder ist es eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensentwurf und den eigenen ethischen Grenzen.
Einrichtungen der Diakonie Baden:





