Thesen zur Diskussion über Kinderwunsch
Verhütung früher Schwangerschaften gehört heute zur Lebensplanung vieler Frauen und Männer. Stimmen Alter, Beruf, soziales Umfeld, Partnerschaft, ist dann eine gewollte Schwangerschaft nicht jederzeit „herstellbar“. Aber es gibt kein Recht auf ein Kind. Aber es gibt ein Recht auf individuelle Lebensgestaltung und Weiterentwicklung. Das beinhaltet auch die Möglichkeit wissenschaftliche Kenntnisse zu nutzen, die eigene Wünsche und Hoffnungen auf ein möglichst gesundes Kind befördern.
Die medizinische Wissenschaft hat das Wohl des Menschen bzw. der Gesellschaft im Blick. Es darf aber nicht verschwiegen werden, dass Reproduktionsmedizin eben auch ein Geschäft ist, das sich nicht in einem wirtschaftsfernen Raum, sondern unter den Gesetzen des Marktes mit Angebot und Nachfrage entwickelt.
Welches Paar in der Kinderwunschsprechstunde gesteht sich diese Ambivalenz ein: Neben den positiven Vorstellungen gegenüber Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft gibt es auch fast immer Ängste zu den kaum einschätzbaren Veränderungen, die damit verknüpft sind. Das betrifft die eigene Rolle wie auch die Qualität der Paarbeziehung, die sich durch ein Kind in jedem Fall ändert. In der zeitlich und emotional äußerst aufwändigen Kinderwunschbehandlung haben die Wahrnehmung und Bearbeitung möglicher Konflikte in der Partnerschaft oder in anderen Lebensbereichen wenig Platz.
Wie bei allen medizinischen Bemühungen, bei denen es um existenzielle menschliche Fragen geht, ist der technische Fortschritt nicht nur ein Segen. Auch in der Reproduktionsmedizin zeigt sich die Notwendigkeit, z.B. Abbruchkriterien für ärztliche Interventionen zu definieren.
Nach Kant hat ein jeder Mensch einen rechtmäßigen Anspruch auf Achtung von seinen Nebenmenschen und wechselseitig ist er auch dazu gegen jeden anderen verbunden. Die Würde gebietet dem Menschen sich und andere niemals nur als Mittel zum Zweck oder als Sache zu gebrauchen. Muss nach dieser Philosophie das Verbot der Leihmutterschaft aufrecht erhalten bleiben?
Zur Kinderwunschberatung gehört auch die Auseinandersetzung mit eigenen Wünschen und Grenzen. Sie kann Raum schaffen, die mit dem Thema verbundenen Ambivalenzen, Schmerzen, Ängste, Trauer, Grenzen und Verantwortlichkeiten wahrzunehmen und mit ihnen umzugehen. „... auch im Leid und beim Misslingen von Plänen und Hoffnungen ist Gott den Menschen nahe...“
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