Ambulante Dienste ausbauen / besser fördern
In Baden-Württemberg muss die Soziotherapie als Alternative für psychisch Erkrankte zum Krankenhausaufenthalt ausgebaut werden. Hierfür müssen die Hürden gesenkt werden, um eine Soziotherapie genehmigt zu bekommen. Das fordert das Diakonische Werk Baden angesichts der immer weiter steigenden Zahl psychisch erkrankter Menschen.
Die Gesundheitsreports der großen Krankenkassenverbände weisen jährlich auf die beständig wachsende Zahl der Menschen mit einer psychischen Erkrankung hin. Jüngstes Beispiel ist der Krankenhausreport 2011 der Barmer GEK der feststellt, dass die meisten Krankenhaustage inzwischen auf die Gruppe der psychischen Störungen entfallen. Bemängelt wird in diesem Zusammenhang der mangelhafte Übergang von ambulant zu stationär.
Inzwischen stellt niemand mehr in Frage, dass es sich bei psychischen Erkrankungen um große Volkskrankheiten handelt. Im Krankheitsgeschehen nehmen sie inzwischen nach den Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, dem Atmungssystem und Verletzungen den vierten Platz ein. Und wir müssen davon ausgehen, dass die psychischen Erkrankungen ihre Position noch weiter ausbauen werden.
Die Frage, worin denn die starke Zunahme der psychischen Erkrankungen ihre Ursache hat, ist nicht eindeutig zu beantworten. Eine Rolle spielen aber sicherlich Unter- oder Überforderungen im Arbeits- und im Privatleben, fehlende Anerkennungen und wenig Sozialkontakte und vermutlich eine bei vielen Menschen vorhandene „seelische Verletzlichkeit“. Aber auch eine verbesserte Diagnostik und die Bereitschaft vieler Menschen, sich eine psychische Erkrankung zuzugestehen führen vermutlich zu den gestiegenen Zahlen.
Da psychische Erkrankungen zu den volkswirtschaftlich teuersten Erkrankungen zählen, wird zu Recht darüber nachgedacht, wie denn Kosten in diesem Bereich eingespart werden können.
Erstaunlich dabei ist, dass dabei von den Krankenkassen die bestehenden ambulanten sozialpsychiatrischen Konzepte beinahe völlig außer Acht gelassen werden.
Die Soziotherapie ist eine Therapieform, die gerade den Übergang von einer stationären Behandlung zur Versorgung durch niedergelassene Psychiater erleichtern soll, indem es die Krankenhausbehandlung zwar verkürzt, aber die Motivation sich in weitere ärztliche Behandlung zu begeben stärkt. Eine wichtige und messbare Funktion von Soziotherapie ist weiterhin, eine drohende Krankenhausbehandlung zu verhindern. Allerdings sind die Krankenkassen unverständlicherweise nicht bereit, diese Therapieform der steigenden Anzahl der psychisch erkrankten Menschen anzupassen und haben hohe Hürden aufgestellt, bevor diese Therapie verordnet werden kann.
Würde man die beobachteten Tendenzen der Krankenkassen ernst nehmen, dann wäre die Konsequenz, zukünftig möglichst vielen Menschen mittels Soziotherapie eine Wiedereinweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus zu ersparen.
Aber nicht nur die Krankenkassen, sondern auch Städte und Landkreise sind gefordert, der Zunahme psychischer Erkrankungen etwas entgegenzusetzen.
In den nächsten Jahren wird es darum gehen, die 2006 aus finanziellen Gründen von der damaligen Regierung vollzogene Kürzung der Finanzierung der Sozialpsychiatrischen Dienste um 50% zurückzunehmen und die Dienste nun an den gestiegenen Bedarf anzupassen.
Einrichtungen der Diakonie Baden:





