Sozialarbeiter als Zukunftssicherer der Demokratie in Deutschland
Heribert Prantl: Demokratie und Sozialstaatlichkeit gehören zusammen
„Sozialarbeiter und ehrenamtlich im Sozialen Tätige gehören zu denen, die die Zukunft der Demokratie sichern durch ihre Phantasie, ihre Kreativität und ihren Einsatz“, sagte Prof. Dr. Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung) jetzt auf dem Diakonie Kongress „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, der noch bis morgen in Bad Herrenalb stattfindet.
Zur „wirklichen Elite“ Deutschlands „gehören die Menschen, die sich in Wohlfahrtsverbänden, in sozialen Initiativen, Vereinen, Bürgerstiftungen, in Betriebsräten und Mitarbeitervertretungen engagieren- an der Basis der Demokratie,“ so der Journalist aus München. Diese „Arbeit für die Gemeinschaft muss den Rang bekommen, der ihr gebührt“. Prantl: „Es ist wunderbar, wenn sich Sozialarbeiter darum kümmern, dass Menschen aus der Armut heraus kommen. Inzwischen wird auch gesehen wie sehr wir in unserer Gesellschaft Sozialarbeiter und Ehrenamtliche brauchen.“
Den Armen heute fehle der Stolz, den einst die Arbeiter gehabt hätten, die sich in Gewerkschaften zusammen schlossen. Armut habe viele Gesichter und diese Gesichter hätten wenig gemeinsam. Das mache die Bekämpfung von Armut so schwer, sagte Prantl. Prantl: „Menschenwürde steht vor allem denjenigen zu, die schon gar nicht mehr wissen was das ist. Es gibt in Deutschland die große Angst, in Hartz IV abzurutschen.“
Prantl sieht Deutschland auf dem Weg zu einer neuen Klassengesellschaft, „ in der es nicht mehr jeder nach oben schaffen kann wenn er nur fleißig und begabt ist.“ Für einen guten Sozialstaat reiche es nicht, soziale Einrichtungen wie zum Beispiel Kindergärten zu schaffen, aber nicht die Voraussetzungen, dass jeder Mensch diese Einrichtungen nutzen kann. Ein Staat, der Ungerechtigkeit belasse, sei „dekadent“, so Prantl. Die Stärke eines Sozialstaates zeige sich in seiner Kreativität mit der er es seinen Bürgern ermögliche, selbstbestimmt zu leben.
Prantl: „Ein guter Sozialstaat braucht ein klares Konzept, das aber auch den Einzelfall berücksichtigt. Er schafft nicht nur Suppenküchen sondern sorgt auch für strukturelle Veränderungen.“ Sozialstaatlichkeit und Demokratie gehören für Prantl zusammen, ebenso wie Sozial- und Bildungspolitik: „Wer den Sozialstaat beerdigen will, der muss ein Doppelgrab ausheben.“
Die Europäische Union sieht Prantl vor einer Vertrauenskrise ihrer Bürger. Von ihr würden die Menschen in Deutschland erwarten, dass sie Schutz und Sicherheit bietet und für die Menschenwürde einsteht. Stattdessen verstehe sich die Europäische Union vor allem als Wirtschafts- und Währungsunion. Prantl: „Das ist zu wenig.“ Er forderte die Länder auf, darauf zu achten, dass sie das Vertrauen ihrer Bürger schaffen und erhalten. Ohne dies würden auch jegliche „Rettungsschirme“ ohne Erfolg bleiben.






