Kirchliche Krankenhäuser


25.10.2017 - Allgemein

In Heidelberg haben sich Vertreter der kirchlichen Krankenhäuser Baden-Württembergs getroffen, um über die Zukunft ihrer Einrichtungen zu diskutieren. Das Landestreffen war dominiert vom Spannungsverhältnis zwischen christlicher Nächstenliebe und dem Zwang zu unternehmerischem Handeln.

Wie alle Krankenhäuser sehen sich auch die kirchlichen Einrichtungen einem verschärften Wettbewerb und vielfältigen Systemzwängen ausgesetzt. Auch evangelische und katholische Kliniken müssen wirtschaftlich denken und handeln.

Mehr als 60 Vertreter christlicher Krankenhäuser in Baden-Württemberg berieten über Perspektiven, die mit unternehmerischem Handeln in Caritas und Diakonie einhergehen. Bei der hochkarätig besetzten Veranstaltung beleuchtete Prof. Dr. Matthias Möhring-Hesse, Lehrstuhlinhaber für Sozialethik und Theologische Ethik an der Universität Tübingen die sozialethische, Nils Söhnle von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young die unternehmerische Sichtweise. Im Anschluss diskutierten die Teilnehmer gemeinsam mit Bruder Peter Berg, Generaloberer der Barmherzigen Brüder von Maria-Hilf, Trier und Aufsichtsratsvorsitzender der Barmherzige Brüder Trier gGmbh, Professor Traugott Schächtele, Prälat des Kirchenkreises Nordbaden der Evangelischen Landeskirche in Baden, Richard Wentges, Vorstandsvorsitzender der Vincentius-Diakonissen-Kliniken in Karlsruhe.

Möhring-Hesse sagte, die staatliche Kontrolle gegenüber den kirchlichen Wohlfahrtsverbänden sei inzwischen übermächtig und diese gerieten unter die Dominanz ihrer Geldgeber. In der Pflege werde zunehmend getaktet, rationalisiert und auf Wettbewerbsniveau gearbeitet. Eine gute Pflege gehöre aber zur fachlichen Professionalität, die man nicht über christliche Werte definieren müsse. Es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für eine gute Pflege zu sorgen.

Nils Söhnle von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young betonte, für die kirchlichen Krankenhäuser stünden zwar Aspekte der Nächstenliebe und der christlichen Werte im Vordergrund des Handelns. Für ihre Zukunftsfähigkeit seien aber unternehmerische Lösungsansätze von entscheidender Bedeutung. Dazu gehöre die Implementierung von Compliance-Systemen, eine starke Wettbewerbsposition durch Behandlungs- und Versorgungsqualität sowie eine gute Positionierung im Ressourcenwettbewerb und Innovationsbereitschaft. Qualität müsse im Mittelpunkt stehen, ebenso wie die Entwicklung einer starken Marke. Sie sei für die strategische Ausrichtung und im Wettbewerb um Patienten und Pflegekräfte unerlässlich. Durch den Einsatz neuer Technologien wie Robotics ließen sich Kosten einsparen. Um die Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten, sei eine solide Finanzierung essentiell.

In der anschließenden Diskussionsrunde ging es um die Prognosen für christlich geführte Krankenhäuser. Welche Rolle können christliche Werte und Identität noch spielen?

Richard Wentges hält unternehmerisches Handeln zwar an vielen Stellen für unmittelbar nötig. Allerdings komme es darauf nicht allein an. „Wir haben eine Motivation. Unser Grundgedanke ist es, uns um Menschen zu kümmern“, betonte er. Professor Traugott Schächtele hob hervor, dass man sich mit der Frage auseinandersetzen müsse, wie präsent die Problematik der Pflege innerhalb der Kirche sei. Auf die Frage, wie bei immer teurer werdenden Dienstleistungen und steigendem Wettbewerb das christliche Gebot, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, auf Dauer zu leisten sei, erklärte Bruder Peter Berg: „Wir können Menschen nicht unterschiedlich behandeln. Wir müssen uns fragen - ist es uns bewusst, was wir tun, warum wir es tun und wie wir es tun?“ Es komme auf das Wertefundament an, auf dem das Handeln in einem christlichen Krankenhaus gründet.


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