Gegen Populismus


06.06.2017 -

Landesbischof Cornelius Bundschuh (Bildnachweis: ekiba)

 

 

Populistische Denkmuster sollen keinen Platz in der Kirche haben. Auf der Tagung "Mit Menschenfreundlichkeit gegen Rassismus" sagte der badische Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh: "Wir wehren uns gegen ein Konzept, das ausschließlich auf Identität durch Abgrenzung setzt". Die Tagung in Freiburg wurde von Evangelischer Landeskirche und dem Diakonischen Werk Baden veranstaltet.

 

Der Versuch, Konflikte durch den Ausschluss Anderer zu lösen, sei "Unsinn". Der christliche Glaube ziele darauf, in Konflikten handlungsfähig zu sein und mit ihnen in dem Wissen umzugehen: "Wir sind Ebenbilder Gottes - der andere aber auch", sagte der Bischof. Populistische Bewegungen setzten stattdessen "auf ein Freund-Feind-Denken, dem alles unterworfen wird". Das führe zu vermeintlich klaren Antworten auf gesellschaftliche Probleme. Es sei jedoch nur Emotionalisierung statt Lösungen.

 

Die segmentierte, vielfältige Gesellschaft müsse gestaltet werden, so der Bischof. "Dazu sollten wir bei aller kritischen Distanz zum Staat auch noch mal überlegen, wie wir Recht und Institutionen stärken - das sind wir im Protestantismus nicht besonders gewöhnt." Statt sich von der AfD treiben zu lassen, könne die Kirche "heiter, gelassen und mutig" eigene Themen setzen. Die biblischen Botschaft habe eine klare Bewegung hin zu den Schwachen; gesellschaftlich Position zu beziehen sei "Kerngeschäft der Kirche."

 

Die Tagung richtete sich an Haupt- und Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit. Ihnen schilderte Gesa Köbberling Entstehung und Veränderung des "modernen" Rassismus. Die Konstruktion einer überlegenen "weißen" Identität habe sich im Zuge des Kolonialismus herausgebildet, so die Professorin für Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Freiburg.

 

Nicht-Europäer als minderwertig darzustellen und zu entmenschlichen machte es möglich, das aufklärerische Prinzip der Gleichheit aller Menschen hochzuhalten und dennoch Ausbeutungen zu rechtfertigen. "Diese Entmenschlichung wurde dann zum Beispiel im Umgang mit Sklaven erlebbar," sagte Köbberling. Der Nationalsozialismus habe auf diese Geschichte rassistischer Unterschiede zurückgegriffen und sie bis zur systematischen Vernichtung von Gruppen, die als anders und minderwertig dargestellt wurden, vorangetrieben.

 

Obwohl das Bewusstsein für rassistische Stigmatisierungen stark gewachsen sei, zeigten aktuelle Forschungen Zustimmungsraten von bis zu 50 Prozent zu abwertenden Aussagen über ganze Menschengruppen wie Muslime oder Flüchtlinge. "In der Regel haben wir es dabei mit Denkweisen zu tun, die nicht Teil eines geschlossenen, rechtsextremen Weltbildes sind", so Köbberling. Sie könnten eher als widersprüchlicher Versuch gesehen werden, "die eigenen, relativen Privilegien zu verteidigen" und einfache Deutungsmuster für gesellschaftliche Veränderungen zu finden, die als bedrohlich wahrgenommen werden.

 

Wie sich eine Stadtgesellschaft erfolgreich gegen Bewegungen stellt, die solche Denkmuster massiv vorantreiben, schilderte der ehemalige Pfarrer der Thomaskirche in Leipzig, Christian Wolff: "Wichtig ist es, von Anfang an ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis zu bilden".

 

Als 2014 der örtliche Pegida-Ableger Legida in der Stadt Fuß fassen wollte, entstand "Willkommen in Leipzig - eine weltoffene Stadt der Vielfalt", sagte Wolff. Dieses Bündnis von Kirchen, Gewerkschaften, Parteien, Oberbürgermeister, Rektoren aller Hochschulen, Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer und vielen Bürgerinnen und Bürgern brachte gegen den ersten Legida-Aufmarsch 35.000 Menschen auf die Straße und stellte sich über zwei Jahre hinweg bis zu deren Ende der Legida-Bewegung entgegen.

 

Auch Wolff forderte, Vielfalt zu achten und eigene Themen zu setzen. Respekt der sehr unterschiedlichen Bündnis-Akteure sei ebenso wichtig wie eine Verständigung auf gemeinsame Werte: "Also nicht wogegen, sondern wofür man ist."


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