Aktionstag in Freiburg


15.05.2017 -

Zum Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai hat das Diakonische Werk Baden zu einer Protestaktion in Freiburg aufgerufen. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kamen auf den Freiburger Augustinerplatz und forderten eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen.

Unter starker Medienbegleitung machten die Pflegekräfte aus dem Raum Freiburg ihrem Unmut Luft. Immer weniger Zeit stehe für immer mehr Aufgaben zur Verfügung. Das gehe zulasten der ihnen anvertrauten Menschen. Für individuelle Begleitung gebe es kaum noch Zeit.

Neben den überbordenden Dokumentationspflichten sei an diesem Zustand vor allem der zu niedrige Personalschlüssel schuld. Dieser müssen ausgeweitet und entsprechend finanziell untermauert werden. Wenige Monate vor der Bundestagswahl fordert die Diakonie Baden deshalb die politisch Verantwortlichen auf, hier die Weichen entsprechend zu stellen. Es stelle sich die Frage, wieviel der Gesellschaft ihre alten Menschen wert seien. Mehr Personal bedeute mehr Zeit. Mehr Zeit bedeute gute, individuelle Pflege. Ändere sich hier nichts, ginge das auf Dauer auf die Gesundheit der Menschen, die in der Pflege arbeiten.

Die Diakonie mahnt schnelle Reformen. Nach Berechnungen der Bertelsmann Stiftung fehlten schon 2030 mehr als 430.000 Kräfte im Bereich der Pflege in Deutschland. Die Situation drohe sich dramatisch zu verschärfen. Nach den Reformen der zu Ende gehenden Legislaturperiode (Pflegestärkungsgesetze, Pflegebedürftigkeitsbegriff) müsse die Politik jetzt die Menschen in den Blick nehmen, die in der Pflege arbeiten. Die Bisherigen Reformen seien an ihnen weitgehend vorübergegangen.

Die Diakonie fordert darüber hinaus endlich konkrete Maßnahmen in der Reform der Pflegeausbildung zu unternehmen. Deutschland sei hier im europäischen Kontext bereits abgehängt. Nur in Deutschland gebe es eine Trennung in die Ausbildung zum Krankenpfleger und zum Altenpfleger. Das erschwere u.a. die Anerkennung von Qualifikationen und Abschlüssen. Besonders wichtig sei für die kirchlichen Pflege-Anbieter auch die Finanzierung von Tariflöhnen. Bei Caritas und Diakonie werde nach Tarif bezahlt. Das sei angemessen, fair und eine Antwort auf Billiglohnanbieter. Auch hier müsse die Politik endlich den Willen aufbringen, Tariflöhne sowohl im ambulanten als auch stationären Bereich zu refinanzieren.

Auf einer anschließenden Pressekonferenz in der Evangelischen Stadtmission Freiburg wies der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Baden, Urs Keller, darauf hin, dass die Pflege in Baden-Württemberg strukturell unterfinanziert sei. Der Altenpflegeberuf sei ein wunderbarer, so Keller. Er verdiene ein deutlich besseres Image. Auch hier sei die Politik aufgerufen, entsprechend zu wirken. Das unterstrich auch Hartmut von Schöning. Jungen Menschen müsse Mut gemacht werden, sich für den Beruf zu entscheiden. Von Schöning, der Vorstand des Evangelischen Stifts in Freiburg ist, stellte im Rahmen der Pressekonferenz das Projekt „Flüchtlinge für die Ausbildung in der Altenpflege gewinnen“ vor. In dem Projekt haben sich fünf Partner im Großraum Freiburg zusammengeschlossen: Evangelisches Stift, Evangelische Stadtmission, Evangelische Sozialstation, Evangelisches Sozialwerk Müllheim und die Evangelische Altenhilfe St.Georgen. Ihr gemeinsames Ziel ist es, Flüchtlingen mit Bleibeperspektive Integrationsmöglichkeiten durch Arbeit anzubieten. Das Projekt war im April 2016 gestartet. Auf der Pressekonferenz wurden die bisherigen Ergebnisse bilanziert.  Von Schöning zeigte sich begeistert von den bisherigen Erfolgen. Man habe funktionierende Strukturen aufbauen können. 15 Flüchtlinge hätten sich für die Altenpflegeausbildung entschieden. Im Herbst 2017 sollen sie anfangen. Bis dahin absolvieren sie, initiiert durch das Projekt, Praktika oder einen Bundesfreiwilligendienst. So können sie erste praktische Erfahrungen sammeln, Deutsch lernen und sich auf die Ausbildung vorbereiten.


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