Hartz
IV Urteil macht sensibel für die Bedürfnisse
von Kindern und Familien
Betroffene betrachten das Urteil mit Freude
und Vorsicht
Karlsruhe (9.2.2010). Die
Diakonie Baden hofft, dass das heutige Urteil
des Bundesverfassungsgerichtes
in Karlsruhe zu Hartz IV in Politik und Gesellschaft
die Sensibilität für die individuellen
Bedürfnisse von Kindern und Familien fördert.
Die badische Diakonie begrüßt das
Urteil. Langfristig müsse ein Regelsatz
für Kinder festgelegt werden, der Kindern
und Familien ein Auskommen bietet und Teilhabe
an der Gesellschaft möglich mache.
Die Betroffen selbst sähen das heutige
Urteil mit Freude, aber auch mit Skepsis, so
Sozialarbeiterin Beate Rashedi von der Diakonie
des Landkreises Karlsruhe. Sie hofften, dass
ihnen bald mehr Geld zur Verfügung steht,
sind aber skeptisch nach der Erfahrung, dass
die Erhöhung des Kindergeldes ihnen nichts
gebracht hat, da es auf Hartz IV angerechnet
wurde. Rashedi wünscht sich, dass es Kinder,
die Hartz Iv bekommen mit den neuen Regelungen
leichter haben an Aktionen der Schulklasse teilzunehmen,
Kindergeburtstage zu besuchen und Nachhilfestunden
zu bezahlen. Rashedi: „Ich hoffe, dass
man ein Kind, dass Hartz IV bekommt zukünftig
nicht an der Qualität seines Schulranzens
erkennen kann. Er kann ja ab jetzt im Rahmen
der Härtefallregelung gesondert als Bedarf
angemeldet werden.“
Das Urteil fördere die Autononie der Familien,
so Kirchenrat Jürgen Rollin, Vorstand im
Diakonischen Werk Baden. Rollin: „Es ist
gut, dass die individuellen Bedürfnisse
von Familien jetzt wieder ins Spiel kommen.“ Es
sei jedoch ein „schwaches Bild für
die Familienpolitik“, dass ein Gericht
die Bedürfnisse von Familien „anmahnen“ mußte,
ehe sich an den Regelsätzen für Kinder „etwas
bewegt“.
Inzwischen wächst unter den Jugendlichen
bis 25 Jahren die Überschuldungsrate. Viele
brauchen ergänzend Hartz IV. Gabriele Kraft
von der Diakonie Baden: „Wir haben zu wenige
Beratungsstellen und zu lange Wartezeiten.“ Allein
in Baden-Württemberg sind 250.000 Haushalte überschuldet.
Die Hauptgründe sind Arbeitslosigkeit, Trennung
und Ausbildungskosten.
letzte Aktualisierung
am 9. Februar 2010
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