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Diakonie Baden macht Männer zu Frauenhelden
Homepage im Zorro-Look soll Männern Mut machen gegen Zwangsprostitution

Fast jeder Mann will für Frauen gern ein Held sein. Davon ging die Diakonie Baden aus, als Männer für Männer eine Homepage entwickelten, die Männer zu mehr Zivilcourage gegenüber Zwangsprostitution herausfordern soll.

Die Homepage   www.frauenheld-sein.de   ist seit Ende März online.

Drei Herausforderungen begrüßen den Nutzer der Diakonie-Homepage als Zorro: Hut auf – Wir machen Männer zu Frauenhelden, Maske auf – Frauenhelden bleiben anonym, 30.000 Frauen in Deutschland brauchen Helden. Angesprochen werden sollen Männer, die sich engagieren wollen, Männer, die aus beruflichen Gründen, zum Beispiel als Taxifahrer, mit Zwangsprostituierten zu tun haben könnten und Männer, die selbst Kontakt haben zu Prostituierten – und das ist immerhin jeder vierte Mann in Deutschland – und wert darauf legen, dass dort saubere Geschäfte laufen.

Neben der Homepage soll es eine Anzeigenkampagne auf den Milieuseiten der Zeitungen geben, mit der um Spenden für die Arbeit der badischen Diakonie gegen Zwangsprostitution geworben wird.

Auch wenn klar ist, dass diese Kampagne Männer, die regelmäßigen Umgang mit Zwangsprostituierten haben, nicht erreichen wird, so hoffen der evangelische Wohlfahrtsverband doch darauf, dass es einige Männer gibt, „die das zum Kotzen finden“, so Oberkirchenrat Johannes Stockmeier, Chef der badischen Diakonie und die Homepage nutzen, um über ein anonymes Meldeformular eigene Beobachtungen weiterzugeben, sich besser zu informieren, sich mit anderen Männern auszutauschen oder in Form einer Spende helfen. Stockmeier: „Die Frauen sind darauf angewiesen, dass wir einen Weg suchen, um ihnen zu helfen. Jesus Christus selbst hat sich Prostituierten zugewendet und sie nicht weggeschickt. Uns in diesem Bereich zu engagieren, gehört zu unserem diakonischen Auftrag.“

Vor rund zwei Jahren hat das Diakonische Werk Baden begonnen, ein Netzwerk mit Hilfemöglichkeiten gegen Zwangsprostitution aufzubauen. Da geht es um Kooperationen mit benachbarten europäischen Ländern, um den Aufbau von gezielter Ansprache und Beratung in Südbaden, Schutzwohnungen, Anwaltskosten, Arztbesuche und Rückkehrhilfen. Ein weiterer Baustein ist die heute vorgestellte Homepage. Kostenrahmen für die nächsten drei Jahre: rund 300.000 Euro. Unterstützt von der Landeskirche Baden, der Frauenarbeit der Landeskirche, der Spendenaktion Hoffnung für Osteuropa und der Aktion Mensch.

Nach Baden würden derzeit vor allem Frauen aus Rumänien, Bulgarien und Rußland eingeschleust, so Ralf Krämer, Kriminalrat bei der Landespolizeidirektion Karlsruhe. Den Tätern käme zu gute, dass die Frauen aus ihrem Heimatland gewohnt seien, kein Vertrauen in die staatliche Polizei zu haben und die hiesige Sprache nicht verstünden. Im Regierungsbezirk Karlsruhe hatte es im vergangenen Jahr neun Verfahren in Fällen von Zwangsprostitution gegeben. Das Bundeskriminalamt schätzt, dass bundesweit jährlich mehrere 10.000 Frauen gehandelt werden. Krämer unterstützt die Homepage-Initiative der Diakonie: „Es ist wichtig, Männer anzusprechen und Aufklärung zu betreiben.“ Die Zusammenarbeit mit Fachberatungsstellen, wie die Diakonie sie anbietet, hält Krämer für unerlässlich: „Das Gerichtsverfahren ist das eine, die menschliche Begleitung währenddessen und hinterher das andere.“

Christin, selbstständige Prostituierte aus Baden, meint, dass schon ganz schön viel Zivilcourage dazu gehört, ehe ein Mann einen Fall von Zwangsprostitution anzeigt. Denn dann würde ja schließlich sein ganzes Umfeld davon erfahren. Freier, die Kontakt zu Zwangsprostituierten suchten, seien generell schwer zu erreichen. Sie würden bewusst die Angst der Frauen genießen, sie zu vergewaltigen, Grenzen zu überschreiten, die sie bei gewerblichen Prostituier-ten einhalten müssten. Weitergegeben werden die entsprechenden Kontakte durch Mund zu Mund Propaganda, über Anzeigen oder Agenturen. Christin: „Wenn ein Freier sieht, dass eine Prostituierte verschüchtert in der Ecke sitzt, während ein Mann für die verhandelt, dann muss ihm eigentlich klar werden, was da passiert.“

 

letzte Aktualisierung am 28. März 2006

 
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