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Immer mehr Kinder und Jugendliche in den
Bahnhofsmissionen

Spezielle Angebote und Schutzräume geplant/ Mehr Opfer häuslicher Gewalt

In die Bahnhofsmissionen kommen immer mehr Kinder unter achtzehn Jahren. Die Gründe sind vor allem häusliche Gewalt, Kinder, die aufgrund der Trennung der Eltern unterwegs sind und Kinder auf die nach der Schule zuhause niemand wartet. Das haben die Bahnhofsmissionen in Baden festgestellt. Allein in 2008 waren es in Baden-Württemberg mehr als 31.000 Kinder unter 18, bundesweit an die 174.000 Kinder und Jugendliche unter achtzehn. Die Bahnhofsmissionen in Baden bauen deshalb jetzt ihre Angebote für Kinder und Jugendliche aus.

Die Offenburger Bahnhofsmission will einen Zeitraum in der Woche nur für Kinder und Jugendliche reservieren und spezielle Angebote machen, in Heidelberg soll die Möglichkeit zum Rückzug und zum Spielen geschaffen werden, in Mannheim soll ein Raum der Stille noch mehr als bisher auch für Kinder und Jugendliche zur Verfügung stehen.

„Kinder brauchen Schutzräume,“ hat Bahnhofsmissionsleiter Roland Knüppel aus Mannheim festgestellt. „Wir wollen, dass man sich auf uns als Bahnhofsmissionen verlassen kann. Deshalb machen wir mit unseren begrenzten Mitteln das, was möglich ist.“ Wie begrenzt die Möglichkeiten der Bahnhofsmissionen sind, sieht man zum Beispiel in Heidelberg. Dort kommen täglich 40-60 Menschen in die insgesamt 65 Quadratmeter umfassenden Räumlichkeiten der Bahnhofsmission. Das Büro wollen die Mitarbeitenden jetzt durch ein Sofa gemütlicher machen, sodass Kinder und Jugendliche „einfach mal Ruhe finden und allein sein können“, sagt Leiterin Anneliese Haberacker. Haberacker: „Wir sind der einzige überdachte und konsumfreie Raum in Bahnhofsnähe. Zu uns kommen viele Jugendliche, die von zuhause weg gelaufen sind und nicht wissen wohin.“ Vor allem die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die unter häuslicher Gewalt leiden, habe zugenommen.

„Viele Kinder und Jugendlichen suchen in uns einen Ersatz für Vater und Mutter,“ erlebt Knüppel. „Das können wir natürlich nicht leisten. Sie suchen aber auch jemanden der Zeit für sie hat und Geborgenheit.“ Zeit haben und ein Umfeld der Geborgenheit, das wollen die sechs badischen Bahnhofsmissionen allerdings anbieten. Sie sehen ihre Aufgabe in der Beratung und Begleitung von Menschen, verstehen sich als gelebte Kirche vor Ort und möchten Lern- und Erfahrungsräume bieten, so Magdalena Moser, im Diakonischen Werk Baden zuständig für die Bahnhofsmissionen und Mitglied im Vorstand des Verbandes der Deutschen Evangelischen Bahnhofsmission. In Deutschland lebe jedes sechste Kind nur bei einem Elternteil. Das seien 2,18 Millionen Kinder, die oft an den Wochenenden zum anderen Elternteil pendeln.

„Bahnhofsmissionen sind keine Suppenküchen,“ sagt der Offenburger Leiter Rainer König. Für Kinder und Jugendliche, „auf die zuhause niemand wartet“ sei es für ihn jedoch selbstverständlich, dass sie etwas zu essen bekommen.

Die badischen Bahnhofsmissionen haben von der Initiative „Herzenssache hilft Kindern“ des SWR 30.000 Euro bekommen, um ihr Vorhaben umzusetzen. Davon sollen materielle Hilfen, finanzielle Hilfen, kulturelle, sportliche und kreative Angebote finanziert werden.

Die Bahnhofsmissionen in Baden hatten in 2008 insgesamt 114.641 Kontakte zu Hilfesuchenden aller Altersgruppen, in Baden-Württemberg waren es 301.456 Kontakte und bundesweit mehr als 2 Millionen. Dafür stehen in Baden 13 Beschäftigte, 101 ehrenamtlich Engagiert, 8 Zivis zur Verfügung und einige Jugendliche im Freiwilligen sozialen Jahr.

 

letzte Aktualisierung am 10. November 2009

 
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